Zucman Report: Reiche zahlen mehr Steuern – aber es gibt wichtige Ausnahmen
- Von Sonja Hennen
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In den letzten 10 Jahren haben Regierungen weltweit umfangreiche Initiativen zur Eindämmung der internationalen Steuerhinterziehung gestartet. Eine neue Studie des EU Tax Observatory zeigt, wie erfolgreich diese Bemühungen waren.
Der Kampf gegen die Steuerhinterziehung stand in den letzten zehn Jahren im Mittelpunkt der internationalen politischen Agenda. Eine globale Mindeststeuer für Unternehmen, das Ende des Bankgeheimnisses - was haben diese Maßnahmen bewirkt? Bis vor kurzem wusste das niemand so genau. Jetzt hat ein Team des Think Tanks EU Tax Observatory um den führenden Ungleichheitsforscher Gabriel Zucman erstmals Bilanz gezogen.
Was sind die Ergebnisse?
Die positiven Nachrichten zuerst: Der Global Tax Evasion Report 2024 kommt zu dem bemerkenswerten Ergebnis, dass seit der Einführung des automatischen Austausches von Bankdaten zwischen Ländern im Jahr 2016 die Offshore-Steuerhinterziehung durch Privatpersonen stark zurückgegangen ist. Vor einem Jahrzehnt war es aufgrund des vollständigen Bankgeheimnisses noch ein Kinderspiel gewesen, Vermögen in Steueroasen zu verstecken – mehr als 9 Prozent des weltweiten BIPs waren es im Jahr 2015. Heute liegt der Anteil nur noch bei 3-4 Prozent.
Zucman zieht daraus den Schluss, dass Steuerhinterziehung kein Naturgesetz ist. Entschlossene Regierungen und multilaterale Abkommen können etwas bewegen. Allerdings, das macht der Report auch deutlich, heißt der Rückgang einer bestimmten Form der Steuerhinterziehung nicht, dass das Problem als Ganzes kleiner geworden ist – oder Reiche insgesamt mehr Steuern zahlen.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass die im Jahr 2021 eingeführte globale Mindeststeuer sich als weitestgehend ineffektiv erwiesen hat. 140 Länder hatten sich auf eine Mindeststeuer von 15 % für multinationale Unternehmen geeinigt. Seither wurde diese Steuer aber durch verschiedenste Schlupflöcher so stark verwässert, dass die Einnahmen aus der Steuer weit hinter den Erwartungen zurückblieben.
Noch düsterer ist das Bild, wenn man sich das Steuerdefizit der Milliardäre ansieht. Zucman und sein Team kommen zu dem Schluss, dass Milliardäre heute im Schnitt nur 0 bis 0,5 Prozent ihres Vermögens pro Jahr an Steuern zahlen. Ein Bruchteil des Satzes, den Normalbürger entrichten. Seit den 1990er Jahren ist ihr Vermögen um durchschnittlich 7 Prozent pro Jahr gewachsen. Zucman fordert daher, auch für Milliardäre eine Mindeststeuer einzuführen. Schon bei einer Milliardärs-Steuer von 2 Prozent pro Jahr ergäben sich Einnahmen von mehr als 200 Milliarden Dollar.
Parallel zur Studie ist der „Atlas der Steueroasen“ erschienen, der erstmals die Steuerflucht weltweit dokumentiert. Das ernüchternde Ergebnis: Deutschland verliert mit 26,2 Prozent mehr Einnahmen aus Gewinnsteuern als jedes andere Land der Welt.